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Freienweide

Der Verlorene

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I. Die Hochzeit fällt dann wohl ins Wasser

 

 

Ich habe keinen Namen. Niemand gibt mir einen, denn mein Kopf ist ein Fisch. Dies ist durchaus wörtlich gemeint und es stellt sich heraus, dass Menschen mit falschen Köpfen nicht auf der Erde wandeln sollen. Also lebe ich im Wasser, metaphorisch gesehen. Manchmal schwimme ich von Tag zu Tag oder von Stunde zu Stunde. Mal liege ich auf dem Grund meines Sees, mal auch am Ufer, aber nie würde ich meine Welt verlassen.

Ich bin allein. Ich atme nicht wie die anderen und kann nicht mit ihnen sprechen. Bin nun mal stumm, wie ein Fisch, doch habe Gefühle, habe ein Herz! Clara ist der Name meiner Fischerin und es ist ihr egal, dass ich einen falschen Kopf hab. Also lass mich ihre Lungen mit Wasser füllen. Ich nehme sie mit in meine Welt! Komm mit mir zu den Fischen! Genieße es!“-

 

 

II. Ein Bericht von Aaron und Aaron

 

 

Aaron ist sein Name, doch es ist nicht der Einzige. Inzwischen duzt er sich ja selbst. Auch ignoriert er größtenteils jene Dinge, die wie ein Berg im tiefsten Tal liegen und versucht sich auf das zu fokussieren, was er den Feind im Innern nennt. Wobei er sich einig darüber ist, dass noch Uneinigkeit über diese Bezeichnung herrscht.

Es gibt niemanden, der sich selbst so hasst wie er und niemandem gibt es mehr Kraft, sich diese Tatsache immer und immer wieder selbst in Erinnerung zu rufen. Am Liebsten würde er sich den Mund mit Nadel und Faden zunähen, damit ihm kein ungewollter Gedanke mehr über die Lippen kommt. Denn er kann nicht viel gegen die Stimme tun, die ihm befielt, nicht auf sich selbst zu hören. So kommt es vor, dass er still gegen sich selber kämpft und dieser Schlaf mit offenen Augen, raubt ihm nicht nur die Kraft, sondern auch den Verstand.

Also beschließt er nun, seiner Qual oder seiner Freude (je nachdem), ein Ende zu bereiten. Er zerreißt sich, in zwei gleich große Hälften. Denn ist der Geist geteilt, so muss der Körper folgen.

 

 

III. Endstation

 

 

Wie ihr bald merkt, ich bin allein, ich hab nur mich, sonst hab ich kein...

Ich blicke in die von Tränen ausgespülten Gesichter. Weder Mund noch Nase sind zu sehen. Alle blind durch die falsche Sicht auf viele Dinge und kein Ohr wird mehr genutzt, da man sich selbst ja nicht zu hören braucht. Manchmal glaube ich tatsächlich ich sei stumm, so wenig gibt es zu bereden. Mir selbst kann ich nun mal wenig neues berichten.

An besonders stillen Tagen, wie dem Heutigen, lausche ich schon mal gebannt dem Rauschen des Verkehrs oder dem Tropfen des Wasserhahns.

Viele steigen mit ein, in den Kanon der Stille, begeben sich hinein in den Tempel, des zur Religion erhobenen Egoismus, um an Orte zu gelangen, an denen sie entweder nicht sein wollen, oder an denen sie glauben sein zu müssen. Zwar hätten sie während ihrer Reise die Gelegenheit ihre Gesichter zurückzuholen, doch lieber lassen sie diese, gemeinsam mit der Zeit, verstreichen.

Ich bleibe zurück, als einziger wohlgemerkt und schaue auf die Uhr. Einige Minuten noch, dann höre ich den Lärm des besagten Tempels erneut. Meine Füße tragen mich dann an den Rand von meiner Welt und ihrer. Ob sie wohl miteinander reden, wenn mein Blut die Gleise ziert?

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